MARIO PALM |
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Ich gucke nicht so oft Fernsehen. Fußball manchmal, manchmal einen Krimi. Am liebsten sehe ich Tierfilme. Da sind oft schöne Aufnahmen von der Landschaft und von der Unter-Wasser-Welt. Und natürlich von den Tieren. Manchmal gucke ich bei Oma Heuser. Die hat einen großen Fernseher mit Stereo dran. Da kannst du direkt in den Rachen des Tigers schauen, mit dem tierischen Gebrüll dazu. Das macht mir Angst, zumal wenn man in der Sequenz zuvor gesehen hat, wie der so eine arme Antilope in Stücke gerissen hat. Es gibt aber auch Filme, wo nur friedliche Tiere zu sehen sind. Meistens Herdentiere oder Nagetiere. Wenn dann so eine Herde Büffel über den Bildschirm läuft, sagt Omi Heuser oft: Oh Gott, oh Gott, wo kommen all die Tiere her? Was sollen die bloß alle fressen? Da komme ich auch immer ins Grübeln. Man könnte sagen, der Kuchen ist groß genug. Da bekommt jedes was von ab. Aber das stimmt so nicht. Ich habe schon Tiere verhungern sehen im Fernsehen. Bei den Menschen ist das auch so. Da hat man nun die ganze Technik erfunden und die Wissenschaft, und trotzdem kriegt man nicht alle satt. Da sterben auch viele. Als Künstler überlegt man dann, wie kann ich denen nur helfen? Ich hab mal gespendet, das ausländische Hartgeld in die Büchse in der Sparkasse geworfen. Das braucht man sowieso erst mal nicht. Man weiß ja nicht, wann man wieder verreist und in welches Land. Aber geholfen hat das auch nicht. Außerdem ist man nie sicher, ob die Bank nicht Immobilien kauft von dem Geld oder ein neues Auto für den Chef. Ist schon eine ungerechte Welt. Wo Geld ist, da geht welches hin. Wo keines ist, da nimmt man was weg. Als Künstler habe ich mir gedacht, ich baue mal so eine große Skulptur. Die lasse ich dann nach Afrika bringen, zu den armen Menschen. Da haben die vielleicht ein bißchen Freude dran und vergessen für einen Augenblick ihren Hunger.
Dann ist mir aber selber das Geld ausgegangen, und ich mußte borgen gehen. Und als mir keiner mehr was borgen wollte, habe ich mich zum Essen eingeladen. Und als mir keiner mehr was zu essen gegeben hat, bekam ich großen Hunger. Da habe ich dann die Skulptur vergessen. Jetzt, wo der Kühlschrank wieder voll ist, denke ich erneut darüber nach, aber ein wenig anders.